Inspiration im Wald: Unser Besuch bei Bettina und Oliver Kunkel in Zeil am Main

Manchmal sind es genau die Begegnungen, die den eigenen Weg noch klarer machen. Unser Besuch bei Bettina und Oliver Kunkel in Zeil am Main war genau so ein Moment: inspirierend, bestärkend und voller neuer Impulse für unsere Vision der Naturschule Wurzelwerk.

Lernen, das bewegt – im wahrsten Sinne

Bettina und Oliver verbindet eine große Leidenschaft: das Lernen neu zu denken. Während Oliver, Gymnasiallehrer, Beisitzer im Landesvorstand des Bayerischen Elternverbands und Experte für nachhaltiges gehirngerechtes Lernen, sich intensiv mit gehirngerechtem Lernen beschäftigt, geht Bettina, Lehrerin an Mittelschule und Draußenlehr-Pionierin, mit ihren Schülern regelmäßig ins Waldklassenzimmer. Beide sind überzeugt davon, dass Lernen draußen nicht nur sinnvoll, sondern essenziell für eine gesunde Entwicklung und nachhaltiges Lernen von Kindern ist.

Oliver Kunkel ist nebenbei auch in der UNESCO Global Alliance on the Science of Learning for Education (UNGASOL) engagiert und sprüht vor Ideen zu wissenschaftlich basiertem Lernen.

Schon beim Ankommen wurde spürbar, mit wie viel Herzblut sie ihre Arbeit gestalten. Das Waldklassenzimmer ist kein klassischer Lernort – und genau darin liegt seine Stärke. Statt starrer Sitzhaltung erleben die Kinder Bewegung, Freiheit und echte Begegnung.

Bettina Kunkel ist seit Sommer 2020 jede Woche mindestens zwei ganze Tage draußen in Ihrem Waldklassenzimmer in Zeil am Main.
Bettina Kunkel ist seit Sommer 2020 einmal pro Woche draußen in Ihrem Waldklassenzimmer in Zeil am Main.

Gehirngerechtes Lernen: Aktivierung als Schlüssel

Ein zentraler Gedanke von Olivers Arbeit ist das gehirngerechte Lernen. Kinder sind nur dann wirklich aufnahmefähig und leistungsbereit, wenn ihr Gehirn aktiviert ist. Genau hier setzt das Lernen im Außenraum an.

Durch den ständigen Wechsel der Haltung – Sitzen, Stehen, Bewegen – wird nicht nur der Rücken entlastet, sondern auch die Aktivität des Gehirns gefördert. Lernen geschieht dadurch ganzheitlicher und nachhaltiger.

Dass Draußen-Lernen spannend und informativ zugleich sein kann, ist hier Methode.

Ein wichtiges Prinzip ist dabei „Think – Pair – Share“: Inhalte werden in kleinen, gut verdaubaren Einheiten vermittelt, die Kinder zunächst selbst durchdenken, dann gemeinsam erarbeiten und schließlich miteinander teilen. So entsteht echtes Verstehen statt bloßem Auswendiglernen.

Im Wald wird dieses Prinzip ganz selbstverständlich umgesetzt. Auf Baumstämmen entstehen Gruppenarbeitsplätze in einer Art „Stehtisch-Atmosphäre“, die Austausch und Zusammenarbeit auf natürliche Weise fördert.

Die frische Luft, die zahlreichen Sinneseindrücke nebenher sowie die unendliche Weite des Raums, erlauben viel nachhaltigere Lernerfahrungen bei den Schülern, als vier weiße Wänden und eine per Thermostat geregelte Temperatur erlauben würden.

Soziales Lernen neu gedacht

Besonders beeindruckt hat uns, wie sich das Lernen im Freien auch auf das soziale Miteinander auswirkt. Die Beziehung zwischen Lehrenden und Kindern verändert sich spürbar – sie wird authentischer, offener und vertrauensvoller.

Auch unter den Kindern selbst entsteht eine andere Dynamik. Konkurrenz tritt in den Hintergrund, Zusammenarbeit gewinnt an Bedeutung. Konflikte, wie etwa Mobbing, werden schneller sichtbar und können direkter aufgegriffen werden. Insgesamt entsteht ein wertschätzenderes und achtsameres Miteinander.

Die Vernetzung der Schüler untereinander sowie zu den Lehrpersonen wird viel stärker, weil draußen alle gemeinsam der Natur „ausgeliefert“ sind.

Inspiration und Bestärkung für unseren Weg

Unser Ziel für diesen Besuch war es, voneinander zu lernen, neue Perspektiven zu gewinnen und uns gegenseitig zu inspirieren. Genau das ist passiert – und noch mehr!

Wir durften nicht nur wertvolle Einblicke gewinnen, sondern auch neue Mitstreiter kennenlernen. Der Austausch hat uns darin bestärkt, unseren Weg mit der Naturschule konsequent weiterzugehen. Die vielen positiven Effekte des Lernens in der Natur sind nicht nur theoretisch nachvollziehbar, sondern in der Praxis deutlich spürbar

Blick in die Zukunft: Vernetzung und Forschung

Ein weiterer wichtiger Schritt, der sich aus unserem Treffen ergeben hat, ist die stärkere Vernetzung. Über Oliver, der unter anderem im Umfeld der UNESCO aktiv ist, möchten wir Kontakte zu wissenschaftlichen Mitarbeitenden aufbauen. Unser Ziel ist es, die positiven Effekte des naturnahen Lernens auch wissenschaftlich begleiten und erforschen zu lassen.

Parallel dazu suchen wir den Austausch mit Institutionen und Organisationen, die unsere Vision teilen. Dazu gehören unter anderem die Ämter für Naturschutz sowie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Wir sind überzeugt, dass sich hier wertvolle Kooperationen entwickeln können, um unser Projekt weiter wachsen zu lassen.

Fazit

Unser Besuch in Zeil am Main war weit mehr als ein Austausch – er war ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg. Die Begegnung mit Bettina und Oliver hat uns nicht nur inspiriert, sondern auch darin bestärkt, dass wir mit der Naturschule Wurzelwerk einen wichtigen und richtigen Weg gehen.

Lernen in und mit der Natur verändert – die Kinder, die Beziehungen und letztlich auch unseren Blick auf Bildung.

Und genau dafür stehen wir.

PS: Wer mehr zu der spannenden Draußenschule von Bettina erfahren möchte, findet beim Bayerischen Elternverband tolle Infos: Link

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