Immer mehr Eltern und Pädagog:innen suchen nach alternativen Schulkonzepten, die den Bedürfnissen von Kindern heute besser gerecht werden. Die sogenannte Draußenschule ist eine solche innovative Idee: Ein Lernort, der weitgehend ins Freie verlegt wird und Kinder dort ganzheitlich fördert. Doch wie genau sieht so eine Draußenschule aus – physisch, räumlich, pädagogisch? Und warum ist das Lernen draußen gerade jetzt so wichtig?
In diesem Artikel erfahren Sie, wie eine Draußenschule gestaltet sein kann, wie Kinder dort lernen und warum das Konzept wissenschaftlich fundiert und zukunftsfähig ist.
Was ist eine Draußenschule?
Eine Draußenschule ist mehr als nur Unterricht im Freien. Es handelt sich um ein Schulkonzept, bei dem der Großteil des Lernens in der Natur stattfindet. Klassische Klassenräume weichen einer naturnahen Lernumgebung, in der sich Kinder frei bewegen und selbstbestimmt lernen können.
In der Draußenschule werden Kinder verschiedener Jahrgänge gemeinsam und projektbezogen unterrichtet. Das bedeutet, dass sie nicht nach starren Stundenplänen arbeiten, sondern in altersgemischten Gruppen an spannenden Projekten forschen, bauen, gestalten oder Naturphänomene erleben. Durch diese Form des Lernens wird Selbstständigkeit gefördert und die intrinsische Motivation der Kinder gestärkt.
Warum draußen lernen? Vorteile für Kinder
Bewegungsmangel bei Kindern – ein ernstes Problem
Die Lebenswirklichkeit vieler Kinder heute ist leider oft von Bewegungsmangel geprägt. Laut einer Studie der WHO (Weltgesundheitsorganisation) erreichen etwa 80% der Kinder und Jugendlichen weltweit nicht die empfohlene tägliche Bewegungszeit von mindestens 60 Minuten (WHO, 2020). Dieser Bewegungsmangel kann langfristig zu körperlichen und psychischen Problemen führen, darunter Übergewicht, Konzentrationsschwierigkeiten und sozial-emotionale Defizite.
Die Natur bietet hier einen idealen Gegenpol: Im Freien bewegen sich Kinder von Natur aus mehr und abwechslungsreicher. Rennen, klettern, balancieren und springen sind im Gelände der Draußenschule kein Freizeitprogramm, sondern wesentlicher Teil des Lernprozesses.
Bessere Konzentration und Wohlbefinden durch Lernen draußen
Mehrere wissenschaftliche Studien zeigen, dass Kinder in naturnahen Umgebungen bessere Konzentrationsleistungen erbringen als in klassischen Klassenräumen. So fand eine Untersuchung von Faber Taylor et al. (2002) heraus, dass Kinder mit ADHS durch Aufenthalte in der Natur signifikante Verbesserungen in ihrer Konzentrationsfähigkeit zeigen.
Weitere Forschungen belegen, dass Lernen draußen Stress reduziert, das Selbstwertgefühl steigert und soziale Kompetenzen stärkt (Kuo & Faber Taylor, 2004). Die natürliche Umgebung ist weniger reizüberflutet als ein typischer Klassenraum, was Kindern hilft, sich besser zu fokussieren und entspannt zu lernen.
So kann das Gelände unserer Draußenschule aussehen

Das beigefügte Bild zeigt beispielhaft, wie ein naturnahes Schulgelände gestaltet sein kann. Es ist kein starres Gelände, sondern ein lebendiger Lernraum, der vielseitige Erfahrungen ermöglicht:
- Spielwiese: Ein offener Bereich für freies Spielen, Toben und Ballspiele, der motorische Entwicklung und soziale Interaktion fördert.
- Hochbeete: Hier lernen Kinder den gesamten Kreislauf von Pflanzenwachstum kennen, von der Aussaat bis zur Ernte. So entstehen Verständnis für Naturzusammenhänge und gesunde Ernährung.
- Bachlauf mit Mühlenrad: Wasser als Element zum Forschen und Verstehen von physikalischen Vorgängen – Strömung, Bewegung und Energie.
- Feuerstelle & Kochplatz: Gemeinsames Kochen stärkt Gemeinschaft, Verantwortung und praktische Fähigkeiten.
- Jurte: Ein wettergeschützter Raum, der Rückzug, Gespräche und kreative Gruppenarbeit ermöglicht.
- Ecke zum Malen: Kreative Ausdrucksformen sind wichtig für die emotionale Entwicklung und fördern Fantasie.
- Bauwagen & WC: Notwendige Infrastruktur, die möglichst naturnah und minimalistisch gestaltet ist.
Diese Elemente ermöglichen den Kindern ein Lernen, das praktisch, erfahrungsorientiert und sinnlich ist. Sie sind nicht nur Zuhörer, sondern aktive Gestalter ihrer Lernprozesse.
Lernen durch Spielen, Projekte und Selbstständigkeit
Jahrgangsübergreifendes und projektbezogenes Lernen
In der Draußenschule gibt es keine strikte Trennung nach Alter. Stattdessen lernen Kinder verschiedener Jahrgänge gemeinsam. Das fördert gegenseitige Unterstützung, soziale Fähigkeiten und eine natürlichere Lerndynamik. Ältere Kinder übernehmen Verantwortung und erklären jüngeren, was ihr eigenes Lernen vertieft.
Die Projekte sind meist von den Interessen der Kinder geleitet und praxisorientiert. Zum Beispiel können sie gemeinsam Hochbeete anlegen, Experimente am Bachlauf durchführen oder das Mühlenrad reparieren. So werden Fachinhalte aus Biologie, Physik, Mathematik und sogar Sprache integriert – aber immer in einem sinnvollen Kontext.
Die Rolle von Selbstbestimmung und freiem Spiel
Eines der wichtigsten Prinzipien der Draußenschule ist die Selbstständigkeit. Kinder entscheiden selbst, wie sie ihre Zeit verbringen, welche Projekte sie verfolgen und wann sie Pausen brauchen. Pädagog:innen begleiten, geben Impulse und unterstützen, ohne den Lernprozess zu dominieren.
Dieses selbstbestimmte Lernen stärkt die Motivation und das Vertrauen der Kinder in ihre Fähigkeiten. Außerdem lernen sie, eigene Grenzen und Bedürfnisse wahrzunehmen – eine Kompetenz, die in herkömmlichen Schulen oft zu kurz kommt.
Freies Spiel ist dabei kein „Freizeitprogramm“, sondern ein zentraler Lernmotor. Beim Spielen entwickeln Kinder Kreativität, Problemlösungsstrategien, soziale Kompetenz und motorische Fähigkeiten.
Fazit: Draußenschule als zukunftsfähiges Lernmodell
Die Draußenschule ist mehr als ein alternativer Lernort – sie ist eine Antwort auf viele Herausforderungen unserer Zeit: Bewegungsmangel, Konzentrationsprobleme und ein Zuviel an Bildschirmzeit. Das Lernen in der Natur fördert Kinder ganzheitlich, indem es körperliche, geistige und soziale Entwicklung vereint.
Die Kombination aus freier Bewegung, projektbezogenem und jahrgangsübergreifendem Lernen sowie Selbstbestimmung macht die Draußenschule zu einem Modell, das Kindern nicht nur Wissen vermittelt, sondern sie in ihrer gesamten Persönlichkeit wachsen lässt.
Wenn Sie Ihrem Kind eine Schule wünschen, die Gesundheit, Kreativität und Selbstvertrauen fördert, dann ist die Naturschule Wurzelwerk genau das Richtige.
Quellen und weiterführende Literatur
WHO (2020). Guidelines on physical activity and sedentary behaviour.
Faber Taylor, A., Kuo, F.E., & Sullivan, W.C. (2002). Views of nature and self-discipline: Evidence from inner city children. Journal of Environmental Psychology, 22(1-2), 49-63.
Kuo, F.E. & Faber Taylor, A. (2004). A potential natural treatment for Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder: Evidence from a national study. American Journal of Public Health, 94(9), 1580-1586.


